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Persönliche Gerechte-Welt-Skala

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9004488
 

GWPER - Persönliche Gerechte-Welt-Skala (PSYNDEX Tests Abstract)

 

Personal Belief in a Just World Scale (PBJW)/author

 Dalbert, C.
 (1999). The world is more just for me than generally: About the Personal Belief in a Just World Scale's validity. Social Justice Research, 12, 79-98.

Online im Internet: https://doi.org/10.23668/psycharchives.352

 Bezugsquelle: Das Verfahren ist im Testarchiv des ZPID enthalten und steht unter der Creative Commons-Lizenz "Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Unported (CC BY-NC-ND 3.0)" ; es kann für nichtkommerzielle Forschungs- und Unterrichtszwecke kostenlos eingesetzt werden.; URL: https://www.testarchiv.eu/; Stand: 1.5.2021.
Anmerkung: Das Verfahren wurde 2002 in das Testarchiv des ZPID aufgenommen

Nachweis im Testarchiv: Dalbert, C. (2002). GWPER. Persönliche Gerechte-Welt-Skala [Verfahrensdokumentation aus PSYNDEX Tests-Nr. 9004488, Fragebogen Deutsch und Englisch]. In Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) (Hrsg.), Elektronisches Testarchiv. Trier: ZPID.

 Adresse(n): o Ministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert, Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt, Leipziger Straße 58, D-39112 Magdeburg ; E-Mail: Jonas-Mathis.Katzmann@mule.sachsen-anhalt.de ; URL: https://claudia-dalbert.de/ueber-mich/vita/ ; Stand: 20.04.2021
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Der Fragebogen ist zur Anwendung in der Gerechtigkeitsmotivforschung sowie in der Forschung zu Gerechtigkeitsüberzeugungen, zur Bereitschaft zu prosozialen Handlungen, zu Bewältigungsverhalten u. v. m. geeignet (Dalbert, 2001).


Aufbau:
Die GWPER umfasst sieben Items. Jedes Item ist auf einer sechsstufigen Antwortskala mit Abstufungen von "6 = stimmt genau" bis "1 = stimmt überhaupt nicht" zu beurteilen. Skalenwert ist der Mittelwert über die sieben Items.


Grundlagen und Konstruktion:
Je mehr sich die Gerechtigkeitsmotivforschung auf den Bereich der seelischen Gesundheit konzentrierte, desto wichtiger wurde eine Differenzierung zwischen einem allgemeinen und einem persönlichen Gerechte-Welt-Glauben. Lerner und Miller (1978) haben für diese Trennung argumentiert, aber auch andere haben eine solche empfohlen (Furnham & Procter, 1989; Hafer & Olson, 1993). Je persönlicher eine Ungerechtigkeitserfahrung ist, desto belastender ist sie, desto mehr wird sie geleugnet: Ungerechtigkeit und Benachteiligung wird in der eigenen Gruppe stärker geleugnet als in anderen Gruppen (Dalbert & Yamauchi, 1994), die eigene Diskriminierung wird stärker geleugnet als die der eigenen Gruppe (Taylor, Wright, Moghaddam & Lalonde, 1990) und die eigene überragende Gerechtigkeit wird betont (Farwell & Weiner, 1996; Messick, Bloom, Boldizar & Samuelson, 1985). Als Konsequenz sollte der Glaube an eine im allgemeinen gerechte Welt von dem Glauben in das eigene gerechte Schicksal getrennt werden und Menschen sollten stärker an eine persönliche gerechte Welt glauben als eine im allgemeinen gerechte Welt. Schließlich sollte der persönliche im Vergleich zum allgemeinen Gerechte-Welt-Glauben wichtiger zur Vorhersage der seelischen Gesundheit, der Bewältigung und der eigenen Bemühungen um Gerechtigkeit sein.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die Test-Retest-Korrelationen in einer Stichprobe von GymnasialschülerInnen (n = 215, 9. bis 12. Klasse) betrug für einen Zeitraum von 5 bis 8 Monaten rtt = .58 (p < .001). Die GWPER erwies sich in sieben Studien als homogen. Cronbachs Alpha variierte zwischen Alpha = .82 und Alpha = .91 (Dalbert, 1999; Stöber, 2002). In einer bezüglich Alter, Geschlecht und Lebenslage heterogenen Gesamtstichprobe von N = 818 Deutschen betrug Alpha = .86 und die Trennschärfen variierten zwischen rit = .46 und rit = .76.
Validität (faktorielle Validität): In drei Untersuchungen an insgesamt 585 Personen konnten mittels Faktorenanalyse über die Items der Allgemeinen und Persönlichen Gerechte-Welt-Skala jeweils zwei Faktoren identifiziert werden, auf denen die Items der beiden Skalen in perfekter Einfachstruktur luden (Dalbert, 1999).
(Diskriminante Validität:) Die GWPER war diskrimant valide gegenüber dem allgemeinen Glauben an eine gerechte Welt (Dalbert, 1999).
(Konstruktvalidität:) Die Konstruktvalidität der GWPER wird durch ihre signifikanten Beziehungen zu Wohlbefinden, Selbstwert und eigenem Gerechtigkeitsstreben (Dalbert, 1999) sowie mit schulspezifischen Gerechtigkeitswahrnehmungen (Dalbert, 2000; Dalbert & Maes, 2002) und Gerechtigkeitswahrnehmungen von jugendlichen Straftätern (Otto & Dalbert, 2005) belegt.
Normen: Münscher (2016, S. 166, Tabelle 10) ermittelte Referenzwerte (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1
Referenzwerte: Mittelwerte (M), Standardfehler (SE) und Median (med) (modifiziert nach Münscher, 2016, S. 166)

------------------------------ 
Geschlecht M SE med
------------------------------
weiblich 2.37 0.06 2.29
maennlich 2.35 0.13 2.36
------------------------------
Gesamt 2.36 0.05 2.29
------------------------------
Anmerkungen. N = 158 Lehramtsstudierende der Universität zu Köln, n = 135 Datensätze waren vollständig. 73.4% weiblich und 25.3% männlich.
 

Alle Items

Anmerkung: Auf dem Fragebogen stehen die Items in der alten Rechtschreibung. Hier werden sie mit der neuen Rechtschreibung vorgestellt. Außerdem folgen danach die englischen Items.
1. Im Großen und Ganzen finde ich, dass ich mein Schicksal verdiene.
2. In der Regel fühle ich mich gerecht behandelt.
3. Meiner Meinung nach bekomme ich im Großen und Ganzen, was mir gerechterweise zusteht.
4. Mein Leben verläuft im Großen und Ganzen gerecht.
5. In meinem Leben sind Ungerechtigkeiten eher die Ausnahme als die Regel.
6. Meiner Meinung nach geht es in meinem Leben im Allgemeinen gerecht zu.
7. Ich finde, dass mir bei wichtigen Entscheidungen im Großen und Ganzen Gerechtigkeit widerfährt.

Englische Items:
1. I believe that, by and large, I deserve what happens to me.
2. I am usually treated fairly.
3. I believe that I usually get what I deserve.
4. Overall, events in my life are just.
5. In my life injustice is the exception rather than the rule.
6. I believe that most of the things that happen in my life are fair.
7. I think that important decisions that are made concerning me are usually just.
 

Altersbereiche

Die GWPER kann bei Probanden ab ca. 10 Jahren eingesetzt werden.
 

Durchführungszeit

Die GWPER ist in 5 Minuten zu bearbeiten.
 

Bewertung

Die GWPER ist mit sieben Items sehr zeitökonomisch, die psychometrische Güte wurde ausreichend überprüft (Restest, interne Konsistenz, Faktorenstruktur, Konstrukt- und Kriteriumsvaldität) und belegt und der Fragebogen findet eine breite Anwendung im Bereich der Gerechtigkeitsforschung. Neben der deutschen Version existiert auch eine englische Fassung (Personal Belief in a Just World Scale, kurz PBJW). Einziger Nachteil besteht in dem Fehlen von Normdaten.
 

Literatur

  • Dalbert, C. (1999). The world is more just for me than generally: About the Personal Belief in a Just World Scale's validity. Social Justice Research, 12, 79-98.
  • Dalbert, C. (2000). Gerechtigkeitskognitionen in der Schule. In C. Dalbert & E. J. Brunner (Hrsg.), Handlungsleitende Kognitionen in der pädagogischen Praxis (S. 3-12). Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.
  • Dalbert, C. (2001). The justice motive as a personal resource: Dealing with challenges and critical life events. New York: Plenum Press. [The Personal Belief in a Just World Scale appended p. 207] https://doi.org/10.1007/978-1-4757-3383-9
  • Dalbert, C. & Maes, J. (2002). Belief in a just world as personal resource in school. In M. Ross & D. T. Miller (Eds.), The justice motive in everyday life (pp. 365-381). Cambridge, UK: Cambridge University Press.
  • Dalbert, C. & Yamauchi, L. (1994). Belief in a just world and attitudes toward immigrants and foreign workers: A cultural comparison between Hawaii and Germany. Journal of Applied Social Psychology, 24, 1612-1626.
  • Farwell, L. & Weiner, B. (1996). Self-perception of fairness in individual and group contexts. Personality and Social Psychology Bulletin, 22, 868-881.
  • Furnham, A. & Procter, E. (1989). Belief in a just world: Review and critique of the individual difference literature. British Journal of Social Psychology, 28, 365-384.
  • Hafer, C. L. & Olson, J. M. (1993). Beliefs in a just world, discontent, and assertive actions by working women. Personality and Social Psychology Bulletin, 19, 30-38.
  • Lerner, M. J. & Miller, D. T. (1978). Just world research and the attribution process: Looking back and ahead. Psychological Bulletin, 85, 1030-1051.
  • Messick, D. M., Bloom, S., Boldizar, J. P. & Samuelson, C. D. (1985). Why are we fairer than others? Journal of Experimental Social Psychology, 21, 480-500.
  • Münscher, S. (2016). Das individuelle Gerechtigkeitsempfinden. Empirischer und diagnostischer Nutzen aus pädagogisch-psychologischer Sicht. Wiesbaden: Springer.
  • Otto, K. & Dalbert, C. (2005). Belief in a just world as a resource for different types of young prisoners. In C. Dalbert & H. Sallay (Eds.), The justice motive in adolescence and young adulthood. Origins and consequences (pp. 153-171). London: Routledge.
  • Stöber, J. (2002). Skalendokumentation "Persönliche Ziele von SchülerInnen" (Hallesche Berichte zur Pädagogischen Psychologie, Nr. 3). Halle: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Arbeitsbereich Pädagogische Psychologie, Institut für Pädagogik.
  • Taylor, D. M., Wright, G. C., Moghaddam, F. M. & Lalonde, R. N. (1990). The personal/group discrimination discrepancy: Perceiving my group, but not myself, to be an target for discrimination. Personality and Social Psychology Bulletin, 16, 254-262.
 

Originalfassung/Anderssprachige Fassungen

  • Dalbert, C., Lipkus, I.M., Sallay, H. & Goch, I. (2001). A just and an unjust world: Structure and validity of different world beliefs. Personality and Individual Differences, 30, 561-577. (S. 207: englischsprachige Items mit Anleitung).
 
 Autorenbeschreibung: Claudia Dalbert (07.06.2002)
Gülay Karadere (04.12.2018)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Questionnaires; Rating Scales; Attitude Measures; Prosocial Behavior; Cognitive Dissonance; Cognitions; Justice; Morality; Social Equality; World View; Attitudes; Personal Values; Well Being; Attribution

Klassische Testtheorie; Fragebögen; Rating-Skalen; Einstellungsmessverfahren; Prosoziales Verhalten; Kognitive Dissonanz; Kognitionen (Denkinhalte); Gerechtigkeit; Moral; Soziale Gleichheit; Weltbild; Einstellungen; Persönliche Werte; Wohlbefinden; Attribution

 weitere Schlagworte:

1999; 2002 (Open Test Archive); Open Access; ab 10 Jahre; 7 Items
 Klassifikation:

Persönlichkeitstests; Persönlichkeitseigenschaften und Persönlichkeitsprozesse; Soziale Wahrnehmung und soziale Kognition
Sonstige Einstellungstests
7.99
 Anwendungstyp: Research (Tests)
 Art der Publikation: Test; Electronic Resources (90; 94)
 Sprache: German
 Übersetzungen: English
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 1999
 Änderungsdatum: 201812
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