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Kaufman Assessment Battery for Children - II - deutschsprachige Fassung

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9006912
 

KABC-II - Kaufman Assessment Battery for Children - II - deutschsprachige Fassung (PSYNDEX Tests Review)

 

Kaufman Assessment Battery for Children, Second Edition (KABC-II; Kaufman, A.S. & Kaufman, N.L., 2004) - German version/author
Synonym(e): K-ABC-II; Kaufmann Assessment Battery for Children

 Kaufman, A. S. & Kaufman, N. L.
 (2015). KABC-II. Kaufman Assessment Battery for Children - II. Deutschsprachige Fassung von Peter Melchers & Martin Melchers [Gesamtsatz in schwarzer Stofftasche: Handbuch, 25 Protokollbögen, Testordner 1, 2, 3 und 4 (jeweils ein Ringbuch mit Aufsteller), Geschichten ergänzen Reizvorlagen, Rover Reizvorlagen, Wortreihe Abbildungskarte, Wortreihe Abdeckkarte, Pappschachtel mit Kunstoffformen, Schaumstoffdreiecken, Gelbe Würfeln, Plastikfigur Hund, Pappschachtel mit Bildkarten]. Frankfurt am Main: Pearson.

Preis: Euro 1.400,00 (Gesamtsatz inkl Software zzgl. 7% UST exkl. Versandkosten; Stand: 14.6.2016)

 Bezugsquelle: Pearson Deutschland GmbH, Kaiserstraße 44, D-60329 Frankfurt am Main; E-Mail: info.de@pearson.com; URL: https://www.pearsonclinical.de/; Stand: 1.5.2021

 Adresse(n): o Dr. Dipl.-Psych. Peter Melchers, Kreiskrankenhaus Gummersbach GmbH, Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie, Kaiserstraße 75, D-51643 Gummersbach ; E-Mail: melchers.peter@kkh-gummersbach.de ; URL: http://www.klinikum-oberberg.de/index.php?id=3197 ; Stand: 3.3.2016
o Alan Stephen Kaufman, Ph.D., Yale School of Medicine, Child Study Center, 230 South Frontage Road, New Haven, CT 06519, United States ; E-Mail: alanskaufman@gmail.com ; URL: https://en.wikipedia.org/wiki/Alan_S._Kaufman ; Stand: 14.6.2016
o Nadeen Laurie Kaufman, Ed.D., Yale School of Medicine, Child Study Center, 230 South Frontage Road, New Haven, CT 06519, United States ; E-Mail: nadeenk@gmail.com ; URL: http://childstudycenter.yale.edu/faculty_people/nadeen_kaufman.profile ; Stand: 14.6.2016
o Dipl.-Psych. Martin Melchers, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Abteilung Differentielle und Biologische Psychologie, Kaiser-Karl-Ring 9, D-53111 Bonn ; E-Mail: martin.melchers@uni-bonn-diff.de ; URL: https://www.psychologie.uni-bonn.de/abteilungen/differentielle-biologische-psychologie/mitarbeiterinnen-und-mitarbeiter/Dipl.%20Psych.%20Martin%20Melchers%20%28Wissenschaftlicher%20Mitarbeiter%29 ; Stand: 14.6.2016
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Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Die deutschsprachige Kaufman Assessment Battery for Children - II (KABC-II; Melchers & Melchers, 2015) ist ein individuell durchzuführendes Testverfahren zur psychologischen, klinischen, neuropsychologischen und pädagogisch-psychologischen Untersuchung von Kindern und Jugendlichen. Das Verfahren erhebt den Anspruch, für die Erfassung von generellen kognitiven Fähigkeiten und Verarbeitungsfunktionen geeignet zu sein.


Aufbau:
Die KABC-II ist eine mehrdimensionale Testbatterie, bestehend aus Kern- und Ergänzungsuntertests, ergänzt um eine strukturierte Beschreibung klinisch relevanter Beobachtungen während der Testdurchführung. Die Fähigkeitskonstrukte Sequentiell/Kurzzeitgedächtnis (Gsm), Simultan/visuelle Verarbeitung (Gv), Lernen/Langzeitspeicher und -erinnerung (Glr), Planung/Denken und Problemlösen (Gf) sowie Wissen/kristalline Fähigkeiten (Gc) beschreiben das Profil der kognitiven Leistungsfähigkeit. Sie gliedern sich jeweils in eine Reihe von Kern- und Ergänzungsuntertests.


Grundlagen und Konstruktion:
Die KABC-II basiert auf einer dualen theoretischen Grundlage mit (1) dem psychometrischen Cattell-Horn-Carroll Strukturmodell der Intelligenz (CHC-Modell; 1993) und (2) der neuropsychologischen Theorie Lurias (1970). Als Gesamtmaß der kognitiven Leistungsfähigkeit resultiert der Intellektuelle Verarbeitungsindex (IVI) nach dem Modell von Luria bzw. der Fluid-Kristallin-Index (FKI) nach dem CHC-Modell. In einem mehrstufigen Entwicklungsprozess wurden 10 neue Untertests plus 11 Untertests der ursprünglichen K-ABC in Bezug auf ihre Metrik (Evaluation von Schwierigkeitsgraden, Reliabilität, Validität), Fairness (in Bezug auf die Variablen Geschlecht, Ethnie, sozioökonomischer Status, (beeinträchtigte) Bildungsfähigkeit und körperliche Behinderung) sowie zu Aspekten der Praktikabilität, der Verständlichkeit und dem Durchführungsformat der einzelnen Untertests erprobt. Im Ergebnis entstand ein weitgehend sprach- und kulturunabhängiges Leistungsdiagnostikum, normiert an mehr als 3000 Personen - die Ausgangsbasis der deutschen Version der KABC-II. Die Entwicklungsarbeit der deutschsprachigen Adaptation bestand primär in der Übersetzung der Originalversion unter Berücksichtigung des typischen Sprachgebrauchs deutschsprachiger Personen im jeweils angezielten Altersbereich.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Die Split-half-Reliabilitäten bewegen sich zwischen .90 (SFI) und .98 (IVI) und entsprechen damit den Empfehlungen für individuell durchzuführende Testverfahren. Für die Skalenindices ergibt sich ein vergleichbares Bild mit Werten von .84 (Planung/GF) und .97 (Simultan/Gv). Die Koeffizienten der Kernuntertests streuen von .71 (Wiedererkennen von Gesichtern) bis .97 (Atlantis), für die Ergänzungsuntertests fallen sie mit .55 (Handbewegungen) bis .96 (Wort- und Sachwissen) geringer aus. Zur Profilreliabilität finden sich keine Angaben.
Validität: Die Skaleninterkorrelationen bestätigen die Fähigkeitsdimensionen als hinreichend konzeptuell unabhängig voneinander, zum anderen ist die Beziehung der Fähigkeiten untereinander eng genug, um sich zur Messung eines gemeinsamen zugrunde liegenden Konstrukts zu qualifizieren. Die Ergebnisse konfirmatorischer Faktorenanalysen bestätigen (1) die Untertests als valide Maße der jeweiligen Fähigkeitsfaktoren (Skalen) und (2) weisen die einzelnen Fähigkeiten als von dem generellen Fähigkeitsfaktor ("g"-Faktor) substanziell beeinflusst aus.
Normen: Das Verfahren wurde an einer nach den Variablen Alter, Geschlecht, elterlichem Bildungsgrad, Migrationshintergrund, besuchte Schulform, Land und Region stratifizierten Gesamtstichprobe von N = 1 745 Personen im Altersbereich von drei bis 18 Jahren normiert. Zusätzlich wurde eine klinische Stichprobe von 117 Kindern und Jugendlichen in den Normierungsprozess einbezogen. Es liegen altersnormierte Tabellen für Skalenwerte, Skalenindices, Gesamtindices und Konfidenzintervalle vor.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Die deutschsprachige Kaufman Assessment Battery for Children - II (KABC-II; Kaufman & Kaufman, 2015) ist ein individuell durchzuführendes Testverfahren zur psychologischen, klinischen, neuropsychologischen und pädagogisch-psychologischen Untersuchung von Kindern und Jugendlichen. Das Verfahren erhebt den Anspruch, für die Erfassung von generellen kognitiven Fähigkeiten und Verarbeitungsfunktionen geeignet zu sein und einen Einblick in funktionale Beziehungen zwischen Gehirn und Verhalten zu bieten.
Die KABC-II fußt auf einer dualen theoretischen Grundlage mit (1) dem psychometrischen Cattell-Horn-Carroll Strukturmodell der Intelligenz (CHC-Modell; Flanagan, McGrew & Ortiz, 2000; Flanagan & Ortiz, 2001; McGrew, Woodcock & Ford, 2002) und - die Tradition ihrer Vorläuferversion der K-ABC fortschreibend - (2) der neuropsychologischen Theorie Lurias (1970). Diese duale theoretische Grundlage sehen die Adaptationsautoren insofern gerechtfertigt, als die mit der K-ABC gemessenen kognitiven Fähigkeiten durchaus einer Interpretation nach dem psychometrisch ausgerichteten CHC-Modell zugänglich sind, und führen als Analogon der Lernfähigkeit sensu Luria die Langzeitspeicherung und -erinnerung (Glr) an; die sequentielle bzw. simultane Verarbeitung setzen sie dem Kurzzeitgedächtnis (Gsm) und der visuellen Verarbeitung (Gv) aus CHC-Perspektive gleich und ziehen Parallelen zwischen Lurias Exekutiv- und Planungsfunktionen sowie fluidem Denken und Problemlösen (Gf) nach Horn oder Carroll. Keine Entsprechung sehen die Testautoren in Bezug auf die kristallinen Fähigkeiten (Gc). Im Ergebnis resultiert als Gesamtmaß der kognitiven Leistungsfähigkeit der Intellektuelle Verarbeitungsindex (IVI) nach dem Modell von Luria bzw. der Fluid-Kristallin-Index (FKI) nach dem CHC-Modell.
 

Testaufbau

Die KABC-II ist eine mehrdimensionale Testbatterie, bestehend aus Kern- und Ergänzungsuntertests (insg. 18 Untertests), ergänzt um eine strukturierte Beschreibung klinisch relevanter Beobachtungen während der Testdurchführung. Die Fähigkeitskonstrukte Sequentiell/Kurzzeitgedächtnis (Gsm), Simultan/visuelle Verarbeitung (Gv), Lernen/Langzeitspeicher und -erinnerung (Glr), Planung/Denken und Problemlösen (Gf) sowie Wissen/kristalline Fähigkeiten (Gc) beschreiben das Profil der kognitiven Leistungsfähigkeit. Sie gliedern sich jeweils in eine Reihe der nachfolgend beschriebenen Kern- und Ergänzungsuntertests (Kaufman & Kaufman, 2015, S. 32 ff.).

A Sequentiell/Kurzzeitgedächtnis (Gsm)
(1) Zahlen nachsprechen (= Wiederholung einer Reihe von bis zu neun Ziffern in der vorgegebenen Reihenfolge): Gemessen wird die sequentielle oder sukzessive Verarbeitung bzw. die Gedächtnisspanne sensu CHC-Modell, dessen Wert zur Beurteilung von Menschen mit Hirnschäden, geistiger Behinderung, Lernstörungen und psychopathologischen Veränderungen empirisch gut belegt ist.
(2) Wortreihe (= Wiederholung einer Reihe von miteinander unverbundenen Wörtern in der gleichen Reihenfolge mit Interferenzaktivität zur Steigerung der Aufgabenschwierigkeit): Ohne Interferenzaktivität präsentiert misst die Wortreihe die Gedächtnisspanne, mit Interferenz ist der Untertest ein Maß für das Arbeitsgedächtnis. Durch die Verbindung der auditorischen Reizaufnahme mit der motorischen, nonverbalen Reaktion bietet diese Aufgabe die Messung einer komplexen, integrierten Fähigkeit.
(3) Handbewegungen (= Wiederholung von zunehmend längeren Folgen von Handbewegungen): Die Aufgabe erlaubt die Erfassung der sequentiellen Verarbeitung und des Kurzzeitgedächtnisses unter ausschließlicher Benutzung des visuell-motorischen Kanals. Handbewegungen sind nach dem Luria-Modell ein Maß der sequentiellen Verarbeitung bzw. Seriation. Nach dem CHC-Modell messen sie die Gedächtnisspanne und das visuelle Gedächtnis. Darüber hinaus stehen sie im Zusammenhang mit fluidem Denken und Problemlösen.

B Simultan/visuelle Verarbeitung (Gv)
(4) Bausteine zählen (= Zählen der Anzahl von dem Blick teilweise verborgenen Blöcken in bildlich dargebotenen Blockstapeln): Diese Aufgabe bildet als Maß der simultanen und visuellen Verarbeitung eine wichtige Komponente des Problemlöseverhaltens ab.
(5) Konzeptbildung: Die Testperson identifiziert aus einer Reihe von Bildern das nicht Passende. Der sprachfreie Untertest misst das konzeptuelle Denken bzw. die Fähigkeit zur Visualisierung und induktivem Denken (CHC-Modell).
(6) Wiedererkennen von Gesichtern: Die Testperson prägt sich auf Fotos gezeigte Gesichter ein, die später aus einer Gruppe abgebildeter Personen zu identifizieren sind. Kulturübergreifend fair und neuropsychologisch bedeutsam misst "Wiedererkennen" von Gesichtern die visuelle Gedächtnisleistung als CHC-Einzelfähigkeit.
(7) Muster ergänzen (siehe die Beschreibung unter Planung/Fluide Fähigkeiten Gf).
(8) Rover: Angeregt durch sprachfreie Problemlöseaufgaben stellt "Rover" die Testperson vor die Aufgabe, einen Spielzeughund auf effizientestem Weg zu einem Knochen zu bewegen. Die Testautoren postulieren schlussfolgerndes Denken in Kombination mit Visualisierung zur erfolgreichen Lösung dieser Aufgabe und ordnen sie der Skala Simultan/Gv zu. Im Kontext des CHC-Modells misst Rover räumliches Erfassen, generelles sequentielles Denken und ist Ausdruck der mathematischen Leistung.
(9) Geschichten ergänzen (siehe die Beschreibung unter Planung/Fluide Fähigkeiten Gf).
(10) Dreiecke (= Nachbauen einer abstrakten Mustervorlage mit Dreiecken): "Dreiecke" misst die CHC-Einzelfähigkeiten räumliche Zusammenhänge und die Fähigkeit zur Visualisierung.
(11) Gestaltschließen (= unvollständig dargestellte Zeichnungen sind von der Testperson mental zu vervollständigen und zu benennen): In direkter Entwicklungslinie auf Tests zum Gestaltschluss zurückgehend, ist der Gestaltschluss das eindeutigste Maß für die simultane Verarbeitung. Die Fähigkeit zum Gestaltschließen erfasst aus CHC-Perspektive über die visuelle Verarbeitung hinaus auch kristalline Fähigkeiten. Nach Ansicht der Testautoren bietet der Untertest somit zwei Ansätze zur Interpretation des jeweiligen Testprofils.

C Lernen/Langzeitspeicher und -erinnerung (Glr)
(12) Atlantis (= Lernen von sinnfreien Namen für Fische, Muscheln und Pflanzen mittels Bildmaterial): Atlantis misst die Fähigkeit zum Lernen neuer Assoziationen im Sinne der CHC-Einzelfähigkeit Assoziatives Gedächtnis.
(13) Symbole (= mit Bedeutung belegte Symbole sind von der Testperson zu lernen, bis es ihr möglich ist, Sätze in einer neuen Symbolsprache zu lesen): Der Untertest, ein Maß für das Assoziative Gedächtnis (CHC-Modell), ist bedeutsam für den Leseprozess und gibt Aufschluss über die Bildung von Lernstrategien.
(14) Atlantis - Abruf nach Intervall: Atlantis misst hier die Fähigkeit, neue Informationen zu lernen. Bei der Variante Abruf nach Intervall sollen 10 bis 25 Minuten nach initialem Lernen der Paarassoziationen zwischen Bildern und ihren sinnfreien Namen diese erfolgreich aus dem Langzeitgedächtnis (CHC-Einzelfähigkeiten: Assoziatives Gedächtnis, Lernfähigkeit) abgerufen werden. Der Ergänzungstest steht in der Tradition von Testverfahren zu verzögerter Erinnerung und repräsentiert die absolute Leistung der Testperson in ihrem Umgang mit dem initialen Lernmaterial.
(15) Symbole - Abruf nach Intervall: Der Untertest misst die Fähigkeit, neue Informationen zu lernen. Beim Abruf nach Intervall wird 10 bis 25 Minuten nach der initialen Lernphase der verzögerte Abruf der gelernten Paarassoziationen als Maß für das Assoziative Gedächtnis und die Lernfähigkeit (CHC-Modell) getestet.

D Planung/Fluide Fähigkeiten (Gf)
(7) Muster ergänzen (siehe B): Die Testperson vervollständigt abstrakte Reizvorlagen (lineare Muster), indem sie den korrekten Reiz aus mehreren Optionen auswählt. Im Kontext des CHC-Modells liegen die Einzelfähigkeiten Induktives Denken und Visualisierung dem korrekten Erkennen der Regelhaftigkeit der sequentiellen Muster zugrunde.
(9) Geschichten ergänzen (= Ergänzung von Bilderreihen mit einem oder mehreren fehlenden Fotos zu einer kohärenten Geschichte durch korrekte Auswahl von Bildern; siehe B): Bei der Gestaltung der Aufgaben wurden die konzeptuellen sowie sozialen und interaktionalen Aspekte des Erzählens einer Geschichte mit Bildern betont, so dass "Geschichten ergänzen" die Ableitung von Erkenntnissen über soziale Verhaltensweisen und interpersonale Reaktionen ermöglicht. Auf Seiten der Testpersonen erfordert "Geschichten ergänzen" die für exekutive Funktionen und fluides Denken charakteristischen verbalen Verarbeitungsanteile zur Bildung von Hypothesen und Entscheidungen. Dementsprechend fließen in den Untertest die CHC-Einzelfähigkeiten Induktives Denken, Visualisierung, generelles sequentielles Denken und Allgemeinwissen ein.

E Wissen/kristalline Fähigkeiten (Gc)
(16) Wortschatz: Begründet in der Stanford-Binet-Tradition misst "Wortschatz" die Fähigkeit zur korrekten Benennung von abgebildeten Objekten aus dem allgemeinen Wissensbereich zur Erfassung der CHC-Einzelfähigkeit Lexikalisches Wissen.
(17) Rätsel: Aus den Merkmalsbeschreibungen (Attribute, Funktionen) verbaler Konzepte durch den Testleiter muss die Testperson die gesuchten Begriffe erschließen. Über das Verständnis des basalen Wortschatzes hinaus erfordert der Untertest die Fähigkeiten zur Integration der Attribute und ihrer logischen Klassifikation. Lexikalisches Wissen, generelles sequentielles Denken und Sprachentwicklung sind die korrespondierenden CHC-Einzelfähigkeiten.
(18) Wort- und Sachwissen: Mit der Auswahl von korrekten Bildmotiven (zeichnerische Illustrationen) zur Bezeichnung von vorgegebenen Wörtern (Substantive, Verben und Adjektive) sowie der Beantwortung von Fragen werden Allgemeinwissen und passiver Wortschatz als maßgebliche Komponenten kristalliner Fähigkeiten im sprachlich rezeptiven Durchführungsformat getestet. Lexikalisches Wissen und Allgemeinwissen sind die zugehörigen CHC-Einzelfähigkeiten.

Bei acht Untertests ist das Antwortformat dichotom (richtige vs. falsche Antwort). Die Aufgaben der übrigen Untertests werden mit einem aus mehreren Punkten bestehenden System bewertet, gestützt auf objektive Informationen, wie z. B. die Bearbeitungszeit oder die Anzahl der falschen Antwortbestandteile. Im Testmanual findet sich eine ausführliche Beschreibung der Kern- und Ergänzungsuntertests der KABC-II (Kaufman & Kaufman, 2015, S. 127 ff.). Dabei gehen die Autoren auf den Hintergrund und die Entwicklung der Skalen ein, weisen auf Besonderheiten in der Durchführung hin und erläutern die Messintention der Skalen im Kontext des CHC-Modells. Hinweise auf Besonderheiten im Verhalten der Testperson während der Bearbeitung der Skalen runden die Darstellung ab. Die Auswahl der Untertests bestimmt sich vor der Testdurchführung nach dem Modell (Luria oder CHC), das der Diagnostiker heranziehen will.
 

Auswertungsmodus

Die Auswertung der KABC-II erfolgt manuell unter Zuhilfenahme eines Testbogens zur Organisation der Ergebnisse. Die Reaktionen der Testperson und ihre Bewertungen sind für jede Aufgabe zu protokollieren. Dazu werden die Bewertungen der einzelnen Aufgaben eines jeden Untertests jeweils in die dafür vorgesehenen Spalten eingetragen. Eine inhaltliche Notiz der Reaktion oder Bearbeitungszeit ist ebenso möglich. Testreaktionen sind als richtig zu bewerten, wenn sie eindeutig als solche identifiziert werden können. Eine unreife Sprechweise oder Artikulationsfehler sind dabei außer Acht zu lassen. Die Rohwertsumme der Untertests entspricht der Summe der Aufgabenbewertungen inklusive der Punktzahlen von Aufgaben vor dem altersabhängigen Anfangspunkt. Diese Summe wird in die mit Rohwert überschriebene Spalte für jeden Untertests auf der Vorder- oder Rückseite (abhängig vom Alter der Testperson) des Testbogens notiert. Die sich anschließende Umwandlung der Untertest-Rohwertsummen in korrespondierende Skalenwerte (M = 10, SD = 3) geschieht mit Hilfe von altersnormierten Tabellen. Ebenso können Prozentränge oder Entwicklungsalter abgelesen werden. Zur Bildung der Skalenindices werden die auf das Deckblatt übertragenen Untertest-Skalenwerte aufaddiert. In einem weiteren Schritt werden die Skalenindices ihrerseits zu den Gesamtskalenergebnissen IVI oder FKI summiert, bevor die Skalen- und Gesamtindices in Standardwerte (M = 100, SD = 15) transformiert und die korrespondierenden 90%- oder 95%-Konfidenzintervalle aus den zugehörigen Tabellen ermittelt werden. Abschließend werden die Standardwerte der Skalen- und Gesamtskalenindices auf dem Testbogen grafisch aufbereitet und in Bezug auf ihre Interpretationsfähigkeit anhand eindeutig formulierter Regeln analysiert. Zusätzlich werden auf dem Testbogen biografische und anamnestische Informationen sowie Verhaltensbeobachtungen während der Testdurchführung notiert.
 

Auswertungshilfen

Eindeutig formulierte und sprachlich leicht verständliche Bewertungskriterien, an Beispielen verdeutlicht, erleichtern die Beurteilung der Testreaktionen. Zur eindeutigen Bewertung von Aufgaben mit sprachlichen Reaktionen steht außerdem eine repräsentative Liste mit als richtig bewerteten Antworten zur Verfügung. Außerdem werden Listen mit falschen Antwortbeispielen vorgehalten, um falsche von richtigen Antworten korrekt zu unterscheiden. Eine Liste mit möglichen verhaltensbezogenen Reaktionen während der Testdurchführung vereinfacht die Verhaltensbeobachtung und -aufzeichnung. Umfangreiche Tabellenwerke, analog zum Testbogen aufgebaut, erleichtern die Transformation der Testrohwerte in korrespondierende Skalenwerte bzw. Standardwerte und Konfidenzintervalle. Präskriptive Regeln legen die Beurteilung der Interpretationsfähigkeit der Testergebnisse fest.
 

Auswertungszeit

Für den geübten Testanwender beträgt die Auswertungszeit etwa 15 bis 20 Minuten.
 

Itembeispiele

Die Abbildungen sind hier nicht darstellbar.
 

Durchführung

 

Testformen

Die KABC-II stellt die Weiterentwicklung und Revision der Kaufman-Assessment Battery for Children von Alan S. Kaufman und Nadeen L. Kaufman dar (K-ABC; Kaufman & Kaufman, 1983; Melchers & Preuß, 1991; PSYNDEX Tests-Nr. 9002417). Die fünf Skalen der KABC-II messen Verarbeitungsbereiche und generelle kognitive Fähigkeiten gemäß dem Luria- bzw. dem CHC-Modell. Abhängig von der Wahl des theoretischen Modells resultiert der IVI bzw. unter Einschluss der Skala Wissen/Gc der FKI. Die Komposition der Untertests einer jeden Skala bleibt von der Wahl des theoretischen Modells unberührt. In Abhängigkeit des Testalters variiert die Skalenstruktur. Dementsprechend sind altersabhängig unterschiedliche Skalensets zur Testanwendung zugelassen. Der Test kann nur einzeln durchgeführt werden.
 

Altersbereiche

Die KABC-II ist für die Diagnostik von Kindern und Jugendlichen im Alter von drei bis 18 Jahren geeignet.
 

Durchführungszeit

In Abhängigkeit von dem Testalter kann nach den Ergebnissen der Normierungsstichprobe ein Skalenprofil in 25 bis 60 Minuten (Luria-Modell) bzw. 30 bis 75 Minuten (CHC-Modell) ermittelt werden.
 

Material

Zum Testmaterial gehören Handbuch und Testbogen, vier Testordner, Reizvorlagen zu den Untertests "Geschichten ergänzen" und "Rover", Objekt- und Abdeckkarte des Untertests "Wortreihe", Bildkarten und manipulative Materialien (Kunststoffformen, Schaumstoffdreiecke, Würfel und Hundefigur) der Tests "Dreiecke", "Bausteine zählen" und "Rover". Alle Materialien sind in einem geräumigen Koffer verpackt. Alle Materialien und Verbrauchsmaterial sind auch separat erhältlich. In der ersten Auflage gab es eine fehlerhafte Abbildung (Aufgabe 27 im Untertest 6 "Gestaltschließen", Testordner 2), für die der Verlag allen Kunden eine korrekte Abbildung in Form eines Aufklebers zur Verfügung stellte.
 

Instruktion

Im Umfang von fast 20 Seiten beschreiben Melchers und Melchers (2015, S. 55-71) die Durchführung der KABC-II. Diese Ausführungen beinhalten ausführliche Hinweise zur Anordnung des Testmaterials, zum Format der Durchführungsanweisungen für die Untertests, zur Auswahl des theoretischen Modells sowie zur Auswahl, Abfolge und Durchführung der Untertests. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Handhabung der verschiedenen Aufgabentypen, Anpassungs- und Abbruchregeln sowie die Anleitungen der Testperson vom Testleiter zu verinnerlichen sind, um eine ordnungsgemäße Anwendung des Verfahrens sicherzustellen. Eine Kurzdarstellung dieser Inhalte findet sich zusätzlich zu Beginn eines jeden Untertests.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Gleichwohl die Testautoren als Voraussetzung für die Durchführung der KABC-II einen Studienabschluss in Psychologie einschließlich der curricularen und praktischen Ausbildungsanteile in psychologischer Diagnostik als wünschenswert erachten, überlassen sie dem Testanwender die Entscheidung hinsichtlich seiner Eignung für eine verantwortliche Durchführung, Auswertung und Interpretation der KABC-II. Dazu sollte er seine Kompetenz in den Bereichen Testtheorie und Testkonstruktion, psychometrische Grundlagen des Messens, kognitive Psychologie, Neuropsychologie, Aspekte der Sonder- und Lernbehindertenpädagogik, Erziehungs- und Entwicklungspsychologie überprüfen. Darüber hinaus sollte er sich umfassend mit dem Testmaterial vertraut machen und die Durchführungsregeln beachten.
 

Testkonstruktion

Das Verfahren beruht auf den Prinzipien der Klassischen Testtheorie, wurde aber auch nach dem Rasch-Modell überprüft. Mit der dualen theoretischen Fundierung von Cattell-Horn-Carroll-Modell (CHC-Modell) und Lurias Theorie über neuropsychologische Verarbeitungsprozesse stellt die KABC-II eine deutliche Weiterentwicklung der K-ABC dar (Kaufman & Kaufman, 1983; Melchers & Preuß, 1991), die auf der Theorie Lurias über neuropsychologische Verarbeitungsprozesse basierend einen Ansatz simultaner/sequentieller Verarbeitung verfolgte. Die Entwicklungsarbeiten der KABC-II begannen Ende der 1990er, gestützt auf experimentalpsychologische, neuropsychologische und psychometrische Forschungsergebnisse. In einem mehrstufigen Entwicklungsprozess wurden 10 neue Untertests plus 11 Untertests der ursprünglichen K-ABC in Bezug auf ihre Metrik (Evaluation von Schwierigkeitsgraden, Reliabilität, Validität), Fairness (in Bezug auf die Variablen Geschlecht, Ethnie, sozioökonomischer Status, (beeinträchtigte) Bildungsfähigkeit und körperliche Behinderung sowie zu Aspekten der Praktikabilität, der Verständlichkeit und dem Durchführungsformat der einzelnen Untertests erprobt. Die N = 700 Personen umfassende Stichprobe dieser Erprobungsstudie wurde unter systematischem Einbezug von Anteilen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen unter Kontrolle des sozioökonomischen Status rekrutiert. Es schlossen sich weitere umfangreiche Erhebungs- und Auswertungsstufen zur Aufgabenauswahl, der Festlegung von Bewertungsregeln sowie der Definition von Entscheidungen über Anpassungs- und Abbruchregeln an. Dieser iterative Entwicklungsprozess aus Expertenurteilen und statistischen Analysen wird von den Adaptationsautoren ausführlich beschrieben, sodass die aufwändige Konstruktion des amerikanischen Originals für den Testanwender transparent und nachvollziehbar wird. Im Ergebnis entstand dann, auf dualer theoretischer Grundlage, ein weitgehend sprach- und kulturunabhängiges Leistungsdiagnostikum, normiert an mehr als 3000 Personen - die Ausgangsbasis der deutschen Version der KABC-II (K-ABC; Kaufman & Kaufman, 2004).
Die Entwicklungsarbeit der deutschsprachigen Adaptation bestand primär in der Übersetzung der Originalversion unter Berücksichtigung des typischen Sprachgebrauchs deutschsprachiger Personen im jeweils angezielten Altersbereich. An einer Stichprobe im Umfang von N = 365 Personen aus Nord- und Südwestdeutschland sowie dem schweizerischen und österreichischen Grenzgebiet wurden die adaptierten Untertests mit sprachlicher und kultureller Komponente (Wortschatz, Wort- und Sachwissen, Symbole und Rätsel) in Bezug auf regionale sprachliche Besonderheiten in der Wortwahl sowie hinsichtlich der Item- und Skalenmetrik evaluiert, bevor die Normierung des Verfahrens erfolgte.
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Bei Beachtung der Regeln zur Durchführung, Auswertung und Interpretation der KABC-II ist die Objektivität gegeben.
 

Reliabilität

Die Messgenauigkeit der KABC-II haben die Testautoren anhand von Split-half-Reliabilitäten bestimmt. In einem ersten Schritt wurden dazu die Untertests nach dem Rasch-Modell kalibriert. Basierend auf einer Aufgabenaufteilung nach der Odd-even-Methode in Verbindung mit itemstatistischen Analysen erfolgte im Anschluss eine Berechnung der Reliabilitäten separat für die einzelnen Altersgruppen. Die Werte der Gesamtindices bewegen sich zwischen .90 (SFI) und .98 (IVI) und entsprechen damit den Empfehlungen für individuell durchzuführende Testverfahren. Für die Skalenindices ergibt sich ein vergleichbares Bild mit Werten von .84 (Planung/GF) und .97 (Simultan/Gv). Die Koeffizienten der Kernuntertests streuen von .71 (Wiedererkennen von Gesichtern) bis .97 (Atlantis), für die Ergänzungsuntertests fallen sie mit .55 (Handbewegungen) bis .96 (Wort- und Sachwissen) geringer aus. Entsprechend positiv fallen die Standardmessfehler für die Untertests, Skalen und Gesamtskalen aus. Von einer Überprüfung der Testwiederholungsreliabilität sehen die Adaptationsautoren wohl begründet ab. Zur Profilreliabilität finden sich keine Angaben.
 

Validität

Als ein Hinweis auf die Validität des Verfahrens untersuchen die Testautoren die Skaleninterkorrelationen, referiert in übersichtlich angelegten Interkorrelationsmatrizen (Kaufman & Kaufman, 2015, Tabellen 8.1 bis 8.8 für jeweils vier kombinierte Altersstufen bzw. S. 261 ff., Anhang C für die Darstellung nach Jahren getrennt). In den Vorschulaltersgruppen streuen die Skalenindices von .13 bis .52, in den oberen Altersgruppen von .36 bis .62. Damit erweisen sich die Dimensionen als hinreichend konzeptuell unabhängig voneinander, zum anderen ist die Beziehung der Fähigkeiten untereinander eng genug, um sich zur Messung eines gemeinsamen zugrunde liegenden Konstrukts zu qualifizieren. Die Korrelationen zwischen den einzelnen Skalen und den Gesamtskalen IVI und FKI fallen erwartungskonform aus. In Übereinstimmung mit der Drei-Stratum-Theorie von Carroll (1993) korreliert die Fähigkeit Sequentiell/Gsm am geringsten mit den Gesamtskalen IVI und FKI. Ein vergleichbares Korrelationsmuster ergibt sich für die klinische Stichprobe. Bleibt anzumerken, dass diese Korrelationskoeffizienten nicht für ihre (zum Teil beachtlichen) autokorrelativen Anteile korrigiert wurden. Ferner wäre ein Hinweis zum statistischen Signifikanzniveau der Koeffizienten hilfreich, um nicht zuletzt die deskriptiven Ausführungen zum Zusammenhangsmuster der Skalen, Untertests und Gesamtskalen besser einordnen zu können.
Als einen weiteren Hinweis für die Validität des Verfahrens führen die Autoren faktorenanalytische Ergebnisse an. Entsprechend den erwartungskonformen Korrelationsmustern weisen die Resultate konfirmatorischer Faktorenanalysen (1) die Untertests als valide Maße der jeweiligen Fähigkeitsfaktoren (Skalen) aus und (2) die einzelnen Fähigkeiten als von dem generellen Fähigkeitsfaktor ("g"-Faktor) substanziell beeinflusst. Insgesamt ergibt sich eine sehr gute Übereinstimmung zwischen dem postulierten theoretischen CHC-Modell und der empirisch gefundenen Struktur, die darüber hinaus weitgehend deckungsgleich mit der Faktorenstruktur der amerikanischen Originalfassung ist.
Weiter analysierten die Testautoren Leistungsunterschiede in Abhängigkeit der soziodemografischen Variablen (1) Geschlecht, (2) elterlicher Bildungsgrad und (3) Migrationsstatus der Eltern.
ad (1) Geschlecht: Für Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren sind keine Unterschiede in den Leistungen zwischen den Geschlechtern festzustellen, für die 7- bis 18-Jährigen zeigen sich Leistungsvorteile auf den Skalen Simultan/Gv und Wissen/Gc für das männliche Geschlecht. Gleichwohl diese Leistungsdifferenzen statistisch signifikant sind, bewegen sie sich innerhalb der Toleranz. Der Schlussfolgerung der Autoren, dass "die Geschlechtsneutralität der KABC-II an keiner Stelle in Frage gestellt wird" (Kaufman & Kaufman, 2015, S. 189), ist daher zuzustimmen.
ad (2) Elterlicher Bildungsgrad: Für die unteren Altersstufen ist ein moderater bildungsabhängiger Anstieg der mittleren Gesamtskalenindices über die elterlichen Bildungsgrade hinweg zu beobachten. Dabei ist die Abhängigkeit der mittleren Leistungsparameter vom elterlichen Bildungsgrad etwas stärker für die obere Altersgruppe (sieben bis 18 Jahre) im Vergleich zur unteren ausgeprägt, am deutlichsten mit einem prozentualen Varianzanteil von jeweils rund 15% für FKI und die Skala Wissen/Gc auf. Insgesamt ist der Einschätzung der Testautoren zuzustimmen, wonach die Beeinflussung der Ergebnisse durch den elterlichen Bildungsgrad in allen Bereichen erwartungskonform ausfällt. Eine abschließende Bewertung der Fairness erscheint vor dem Hintergrund des vergleichsweise geringen Stichprobenanteils von Testpersonen mit geringem elterlichem Bildungsgrad verfrüht.
ad (3) Migrationsstatus: Während in der unteren Altersgruppe nur auf vier der sieben (Gesamt-)Skalen Unterschiede in den mittleren Leistungsindikatoren abhängig vom Migrationsstatus auftreten, sind diese für die obere Altersgruppe durchgängig festzustellen. Nicht-Migranten weisen im Vergleich zu Migranten einen statistisch signifikanten Leistungsvorteil (p < .01) auf mit mittleren Standardwert-Punkt-Differenzen von 3.4 (Lernen/Glr, Planung/Gf), 4.2 (Sequentiell/Gsm, SFI), 5 (Simultan/Gv, IVI), 6 (FKI) und 8.5 (Wissen/Gc). Unter Berücksichtigung der Standardmessfehler sowie dem teils recht unausgewogenen Gruppengrößenverhältnis von Migranten zu Nicht-Migranten ist nicht nur - wie von den Testautoren empfohlen - in Bezug auf die Interpretation von Wissen/Gc, sondern auch in Hinsicht auf Schlussfolgerungen aus den Leistungsparametern Simultan/Gv, IVI und FKI bei Testpersonen mit Migrationshintergrund entsprechende Vorsicht angezeigt.
 

Normierung

Untersucht wurde die Normierungsfassung an einer nach den Variablen Alter, Geschlecht, elterlichem Bildungsgrad, Migrationshintergrund, besuchte Schulform, Land und Region stratifizierten Gesamtstichprobe von N = 1 745 Personen im Altersbereich von drei bis 18 Jahren, rekrutiert aus Regelkindergärten und -schulen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Die demografischen Ergebnisse der Normierungsstichprobe werden von den Adaptationsautoren umfassend diskutiert und in übersichtlichen Tabellen dokumentiert. Danach konnten die angezielten Verteilungen von Alter und Geschlecht gut realisiert werden, das gilt ebenso - vor dem Hintergrund der heterogenen Bildungsabschlüsse und Schulformen in den drei Ländern - für die Variablen elterlicher Bildungsgrad und besuchte Schulform. Auch der Migrationsstatus fand eine hinreichende Berücksichtigung.
Zur weiteren Beurteilung der Praktikabilität und Metrik bei klinisch auffälligen Personen wurden 117 Kinder und Jugendliche, bestehend aus einer "stationär-klinischen Inanspruchnahmestichprobe" (Kaufman & Kaufman, 2015, S. 177) sowie aus Schülern diverser Förderschulen, in die Normierungsstichprobe einbezogen. Hierzu findet sich im Handbuch lediglich eine Auflistung der Diagnosen, jedoch ohne Häufigkeitsangaben zu Einfach- und Doppeldiagnosen.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Die KABC-II will einen Beitrag zur psychologischen, klinischen, neuropsychologischen und pädagogisch-psychologischen Untersuchung von Kindern und Jugendlichen zur Identifikation von Verarbeitungsstörungen und primären Problembereichen als Ziele von Bildungs- und Förderinterventionen leisten. Im Sinne einer effizienten und flexiblen Untersuchungsstrategie kann das Leitdiagnostikum KABC-II um zusätzliche Maße genereller und spezifischer kognitiver Fähigkeiten ergänzt werden, etwa zur testdiagnostischen Untersuchung von weiteren Funktionsbereichen (z. B. motorische Entwicklung, auditive oder visuelle Wahrnehmung) oder auch dem übergreifenden "CHC Cross-Battery Assessment Approach" folgend.
 

Bewertung

Mit der KABC-II präsentieren die Testautoren ein modernes flexibles Leistungsdiagnostikum, das auf einem dualen, extensiv validierten theoretischen Modell basiert. Durch die Verknüpfung von bereits empirisch bewährten Leistungsmaßen der K-ABC mit Parametern der kognitiven Leistungsfähigkeit aus Perspektive des CHC-Modells erschließen die Testautoren neue Anwendungsbereiche und Interpretationsmöglichkeiten.
Bain und Gray (2007, S. 100) finden die neu hinzugekommenen Subtests sehr ansprechend: "Atlantis, the first subtest administered to all ages, is particularly intriguing with its fanciful nonsense names and colorful illustrations of fish, shells, and plants that approximate cartoon-like figures. Rover, administered to children 4 to 18 years of age, has a game board-like quality that is also attractive."
Die Anwendung des Verfahrens und die Auswertung der erhobenen Daten werden von den Autoren ausführlich und verständlich beschrieben. Die Stratifizierung der Normierungsstichprobe ist insgesamt als gelungen zu bewerten. Positiv hervorzuheben sind weiter die hilfreichen Aussagen zur Interpretation der Testergebnisse. Dies enthebt den Testanwender allerdings nicht von einer intensiven Einarbeitung in das Verfahren. Die altersabhängige Auswahl der Kern- und Ergänzungstests, Entscheidungen in Bezug auf Veränderungen in der Abfolge der Untertests, die Beachtung von Anfangsaufgaben und Anpassungsregeln in Abhängigkeit vom Alter der Testperson, von Abbruchregeln und Zeitkriterien sollte der Testanwender sicher beherrschen, um eine angemessene Anwendung der KABC-II zu gewährleisten.
"Insgesamt kann KABC-II als gelungene Neufassung und Normierung dieses weit verbreiteten Intelligenztests angesehen werden. Inhaltliche und teststatistische Schwächen der Vorläuferversion wurden systematisch beseitigt, sodass dieses Verfahren nunmehr eine methodisch fundierte Intelligenzdiagnostik auf dem aktuellen wissenschaftlichen Stand ermöglicht. Unbefriedigend ist die Materialqualität, die zumindest teilweise für den täglichen Gebrauch unzulänglich und dem hohen Anschaffungspreis unwürdig ist." (Irblich, 2015, S. 647).
 

Literatur

  • Bain, S. K. & Gray, R. (2007). Kaufman, A. S., & Kaufman, N. L. (2004). Kaufman Assessment Battery for Children, Second edition. Circle Pines, MN: AGS [test review]. Journal of Psychoeducational Assessment, 26 (1), 92-101. (DOI: 10.1177/0734282907300461)
  • Carroll, J. B. (1993). Human Cognitive Abilities: A survey of factor-analytic studies. New York: Cambridge University Press.
  • Flanagan, D. P., McGrew, K. S. & Ortiz, S. O. (2000). The Wechsler Intelligence Scales and Gf-Gc Theory: A contemporary approach to interpretation. Boston: Allyn & Bacon.
  • Flanagan, D. P. & Ortiz, S. O. (2001). Essentials of cross-battery assessment. New York: Wiley.
  • Irblich, D. (2015). Kaufman, A. S., Kaufman, N. L. (2015). KABC-II. Kaufman Assessment Battery for Children - II. Deutschsprachige Fassung von P. Melchers und M. Melchers. Frankfurt: Pearson (Neuere Testverfahren). Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 64 (8), 635-648.
  • Kaufman, A. S. & Kaufman, N. L. (1983). K-ABC. Kaufman-Assessment Battery for Children [complete K-ABC kit: includes all test materials, administration and scoring manual, interpretive manual, 25 individual test records]. Circle Pines: American Guidance Service.
  • Kaufman, A. S. & Kaufman, N. L. (2004). Kaufman Assessment Battery for Children, Second Edition (KABC-II). Circle Pines, MN: American Guidance Service.
  • Kaufman, A. S. & Kaufman, N. L. (2015). KABC-II. Kaufmann Assessment Battery for Children - II. Deutschsprachige Fassung von Peter Melchers & Martin Melchers. Frankfurt am Main: Pearson.
  • Luria, A. R. (1970). The functional organization of the brain. Scientific American, 222, 66-78.
  • McGrew, K. S., Woodcock, R. & Ford, L. (2002). The Woodcock-Johnson Battery. Third Edition. In A. S. Kaufman & E. O. Lichtenberger, Assessing adolescent and adult intelligence (2nd ed. pp. 561-628). Boston: Allyn & Bacon.
  • Melchers, P. & Preuß, U. (1991). K-ABC. Kaufman-Assessment Battery for Children von Alan S. Kaufman und Nadeen L. Kaufman. Deutschsprachige Fassung. Amsterdam: Swets & Zeitlinger.
 

Wichtige neuere Publikationen

  • Irblich, D., Schroeder, A. & Renner, G. (2020). Psychometrische Eigenschaften der "Kaufman Assessment Battery for Children - II" (KABC-II) bei 5- und 6-jährigen Kindern. Frühförderung interdisziplinär, 39 (3), 137-150. https://doi.org/10.2378/fi2020.art14d -PSYNDEX-Lit Dok.-Nr. 0368492
  • Melchers, P. & Melchers, M. (2016). Die Anwendung der K-ABC in der Diagnostik sprech- und sprachgestörter Kinder und der Übergang zur KABC-II. Sprache, Stimme, Gehör, 40 (1), 29-33.
 

Originalfassung/Anderssprachige Fassungen

  • Kaufman, A. S. & Kaufman, N. L. (2004). Kaufman Assessment Battery for Children, Second Edition (KABC-II). Circle Pines, MN: American Guidance Service.
 

Rezensionen

  • Bain, S. K. & Gray, R. (2008). Kaufman, A. S. & Kaufman, N. L. (2004). Kaufman Assessment Battery for Children, Second edition. Circle Pines, MN: AGS [test review]. Journal of Psychoeducational Assessment, 26 (1), 92-101. https://doi.org/10.1177/0734282907300461
  • Bornschlegl, M. & Petermann, F. (2013). Luria and his lasting influence on test batteries in neuropsychological and intelligence assessment. Zeitschrift für Neuropsychologie, 24 (4), 201-215. -PSYNDEX-Lit Dok.-Nr. 0272577
  • Braden, J. P. & Ouzts, S. M. (2005). Review of Kaufman Assessment Battery for Children, Second Edition. In R. A. Spies & B. S. Plake (Eds.), The sixteenth mental measurements yearbook (pp. 517-520). Lincoln: University of Nebraska.
  • Irblich, D. (2015). Kaufman, A. S., Kaufman, N. L. (2015). KABC-II. Kaufman Assessment Battery for Children - II. Deutschsprachige Fassung von P. Melchers und M. Melchers. Frankfurt am Main: Pearson (Neuere Testverfahren). Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie, 64 (8), 635-648.
  • Joél, T. (2017). Das Dilemma der Intelligenzdiagnostik in der Sonderpädagogik - erläutert anhand der neuen KABC-II. Zeitschrift für Heilpädagogik, 68 (1), 12-21.
  • Kastner-Koller, U. & Deimann, P. (2016). Alan S. Kaufman und Nadeen L. Kaufman (2015). KABC-II. Kaufman Assessment Battery for Children - II (Deutschsprachige Fassung von Peter Melchers und Martin Melchers). Frankfurt am Main: Pearson, EUR 1400,00 (Testbesprechung). Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 48 (3), 165-169.
  • Koch, J. (2015). Alan S. Kaufman & Nadeen L. Kaufman (2015): Kaufman Assessment Battery for Children-II (KABC-II). Deutschsprachige Fassung von Peter Melchers und Martin Melchers. Frankfurt am Main: Pearson Assessment. Euro 12,99 (Buchrezensionen). Behindertenpädagogik, 54 (4), 426-429.
  • Kuschel, A., Kamp-Becker, I. & Ständer, D. (2017). TBS-TK-Rezension: Kaufman Assessment Battery for Children-2 (KABC-II). Psychologische Rundschau, 68 (4), 321-323. https://doi.org/10.1026/0033-3042/a000370
  • Kuschel, A., Kamp-Becker, I. & Ständer, D. (2017). TBS-TK-Rezension: Kaufman Assessment Battery for Children-2 (KABC-II). Report Psychologie, 42 (5), 211-212.
  • Renner, G. (2015). Melchers, P./Melchers, M. (2015): KABC II. Kaufman Assessment Battery for Children-II. Von Alan S. Kaufman/Nadeen L. Kaufman. Deutschsprachige Fassung. Frankfurt am Main: Pearson. Testkoffer: Euro 1.299,00 (Neue diagnostische Verfahren für die Sonderpädagogik). Sonderpädagogische Forschung heute, 60 (4), 439-444.
  • Thorndike, R. M. (2005). Review of Kaufman Assessment Battery for Children, Second Edition. In R. A. Spies & B. S. Plake (Eds.), The sixteenth mental measurements yearbook (pp. 520-522). Lincoln: University of Nebraska.
  • Voigt, F. (2018). Kaufman Assessment Battery for Children-II (KABC-II): Aufbau des Verfahrens und Erfahrungen mit der Anwendung im Vorschulbereich (Tests und Screenings). Frühförderung interdisziplinär, 37 (1), 39-52. https://doi.org/10.2378/fi2018.art06d
 
 Petra Hank (10.05.2016)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Item Response Theory; Computerized Assessment; Pictorial Stimuli; Test Norms; Subtests; Neuropsychological Assessment; Intelligence Measures; Kaufman Assessment Battery for Children; Sequential Learning; Learning; Logical Thinking; Cognitive Ability; Neuropsychology

Klassische Testtheorie; Item-Response-Theorie; Computergestützte Messung; Bild-Stimuli; Testnormen; Untertests; Neuropsychologische Messung; Intelligenztests; Kaufman Assessment Battery for Children; Sequenzielles Lernen; Lernen; Logisches Denken; Kognitive Fähigkeiten; Neuropsychologie

 weitere Schlagworte:

1983 (K-ABC; englischsprachige Originalversion); 1991 (K-ABC; deutschsprachige Version); 2004 (KABC-II; 2nd ed.); 2015 (KABC-II; 2nd ed., deutschsprachige Version); Förderdiagnostik; Allgemeine Intelligenz; ab 3 Jahre; bis 18 Jahre; Skalen: 1 Sequentiell/Kurzzeitgedächtnis: 1a Zahlen nachsprechen, 1b Wortreihe, 1c Handbewegungen, 2 Simultan/Visuelle Verarbeitung: 2a Bausteine zählen, 2b Konzeptbildung, 2c Wiedererkennen von Gesichtern, 2d Rover, 2e Dreiecke, 2f Gestaltschließen, 3 Lernen/Langzeitspeicher und -erinnerung: 3a Atlantis, 3b Symbole, 3c Atlantis-Abruf nach Intervall, 3d Symbole-Abruf nach Intervall, 4 Planung/Fluide Fähigkeiten: 4a Muster ergänzen, 4b Geschichten ergänzen, 5 Wissen/Kristalline Fähigkeiten: 5a Wortschatz, 5b Rätsel, 5c Wort- und Sachwissen; Normierungs-/Untersuchungsjahr: 2014; Stichprobe(n): 1745
 Klassifikation:

Neuropsychologische Diagnostik; Persönlichkeitstests; Kognitive Prozesse; Lernen und Leistung
Intelligenztests für Kinder
2.3
 Anwendungstyp: Individual Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Übersetzungen: English
 Land: United States
 Publikationsjahr: 2015
 Änderungsdatum: 201806
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