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Potsdamer Intelligenztest für das Vorschulalter

 PSYNDEX Tests-Dokument: 9007840
 

PITVA - Potsdamer Intelligenztest für das Vorschulalter (PSYNDEX Tests Review)

 

Potsdam Intelligence Test for Children in Preschool Age/zpid
Synonym(e): PIT-VA

 Wyschkon, A. & Esser, G.
 (2019). PITVA. Potsdamer Intelligenztest für das Vorschulalter [Testbox mit Manual, 10 Testheften, Bildvorlagen, Box mit Materialien (Untertest 2: Steine und Stäbchen)]. Göttingen: Hogrefe.

Preis: 497,55 Euro (Test komplett; Stand: 5.3.2020)

 Bezugsquelle: Testzentrale, Herbert-Quandt-Straße 4, D-37081 Göttingen; E-Mail: info@testzentrale.de; URL: https://www.testzentrale.de/; Stand: 1.5.2021

 Adresse(n): o Dr. Anne Wyschkon, Universität Potsdam, Department Psychologie, Karl-Liebknecht-Straße 24-25, D-14476 Potsdam, OT Golm ; E-Mail: awysch@uni-potsdam.de ; URL: https://www.uni-potsdam.de/en/clinical-psychology/team/former-staff-scientists/anne-wyschkon.html ; Stand: 24.6.2019
o Prof. Dr. Günter Esser, Psychotherapiepraxis für Kinder, Jugendliche und Eltern, Friedrich-Ebert-Straße 112, D-14467 Potsdam ; E-Mail: info@api-potsdam.de ; URL: http://www.psychotherapiepraxis-prof-esser.de/team/esser/ ; Stand: 2.5.2018
 WWW-Informationen:
 

Abstract

Diagnostische Zielsetzung:
Der Potsdamer Intelligenztest für das Vorschulalter (PITVA; Wyschkon & Esser, 2019) diagnostiziert die nonverbale Intelligenz von Kindern im Alter von 4;0 und 6;5 Jahren.


Aufbau:
Der PITVA besteht aus den drei Untertests Bilderreihen (UT1), Seriation (UT2) und Matrizen (UT3). Als Maße der nonverbalen Intelligenz können die Fähigkeit, in semantischen Kategorien zu denken (UT1), die Fähigkeit zur Analogiebildung (UT2) und die zum Erkennen von Regelhaftigkeiten (UT3) sowie ein Gesamttestwert bestimmt werden.


Grundlagen und Konstruktion:
Die Testkonstruktion wird im Manual nicht explizit beschrieben. Sie vollzog sich aber auf dem Hintergrund der Klassischen Testtheorie. Angaben zur Itemanalyse liegen vor. So werden Schwierigkeitsindizes und Trennschärfen getrennt nach Untertest und Altersgruppe angegeben, diese decken je nach Alter den gesamten Bereich ab.


Empirische Prüfung und Gütekriterien:
Reliabilität: Für den UT1 betragen die Konsistenzkoeffizienten, getrennt nach Altersgruppen bestimmt, .86 < = Alpha < = .91, für den UT2 liegen sie zwischen .71 < = Alpha < = .79 und für den UT3 zwischen .83 < = Alpha < = .88.
Validität: Die Ergebnisse in den PITVA-Untertests und den Leistungen im MOVE 4-8 korrelierten zwischen r = .29 und r = .37. Untertests und Gesamtwert des PITVA korrelierten zwischen .32 < = r < = .45 mit dem alterskorrigierten Rohwert des HAWIVA-III-Mosaiktests. Die Zusammenhänge mit dem alterskorrigierten Rohwert der CPM streuten von .45 < = r < = .62 mit den Werten des PITVA. Gestützt werden diese Validitätshinweise durch Fremdeinschätzungen der kindlichen Kompetenzen (Auffassungsgabe und Fähigkeit zum Erfassen von Zusammenhängen). Konstruktvalidität: Die Skaleninterkorrelationen des PITVA lagen zwischen .48 < = r < = .50. Mit dem PITVA-Gesamtwert korrelierten die Untertests zwischen .81 < = r < = 82. Fehlende bis marginale Leistungsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen werten die Autoren als einen weiteren Hinweis auf die Konstruktvalidität des Verfahrens. Darüber hinaus resultierten erwartungskonforme Unterschiede in den PITVA-Ergebnissen in Abhängigkeit vom Schulabschluss der Eltern und ihrem beruflichen Qualifikationsniveau.
Normen: Der PITVA wurde an 478 Mädchen und 509 Jungen im Alter von 4;0 Jahren und 6;5 Jahren aus dem Bundesland Berlin-Brandenburg normiert. Die untersuchten Kinder stammen eher aus Familien mit höherem sozioökonomischem Status. Für jede Altersgruppe wurden Intervallmitten-Prozentränge berechnet, die über standardisierte z-Werte in T-Werte transformiert. Analog erfolgte die Bestimmung des T-Wertes für den Gesamtwert. Für die 4;0- bis 5:11-Jährigen liegen Normen in Vierteljahresstufen vor, die 6;0- bis 6;5-Jährigen wurden gemeinsam normiert.

 

Testkonzept

 

Theoretischer Hintergrund

Der Potsdamer Intelligenztest für das Vorschulalter (PITVA; Wyschkon & Esser, 2019) diagnostiziert die nonverbale Intelligenz von Kindern im Alter von 4;0 und 6;5 Jahren. Das Verfahren will die Grundintelligenz dieser Altersgruppe über den gesamten Leistungsbereich ökonomisch und differenziert erfassen und dies weitgehend sprach- und kulturfrei.
Wyschkon und Esser (2019) setzen die nonverbale Intelligenz gleich mit logisch-schlussfolgerndem Denken und ordnen sie der fluiden Intelligenz nach Cattell und Horn (Horn & Cattell, 1966) zu. Die Relevanz des PITVA leiten die Autoren aus der prognostischen Bedeutung der nonverbalen Intelligenz im Vorschulalter ab (Wyschkon, 2015). Kinder mit niedriger Intelligenz (70 < IQ < 84) sind oft deutlich von den Anforderungen in der Schule überfordert und reagieren häufig mit sekundären Verhaltensauffälligkeiten (zsf. Grünke & Grosche, 2014). Rund ein Drittel dieser Kinder fällt durch kinderpsychiatrische Störungen auf (Schmidt, 2002). In der Anwendung von Lern- und Gedächtnisstrategien sind sie ihren Altersgenossen mit unauffälliger geistiger Leistungsfähigkeit unterlegen, die Leistungen ihres Arbeitsgedächtnisses sind ebenfalls beeinträchtigt (Schuchardt & Mähler, 2012).
 

Testaufbau

Der PITVA umfasst die drei Untertests (UT) Klassifikationsaufgaben (Bilderreihen; UT1), Aufgaben zur Erkennung von Mustern (Seriation; UT2) und Matrizenaufgaben (Matrizen; UT3). Mit diesen Aufgabenformaten sollen verschiedene Facetten des logisch-schlussfolgernden Denkens erfasst werden. UT1, eine Erweiterung des Untertests Nonverbale Intelligenz aus der Basisdiagnostik Umschriebener Entwicklungsstörungen im Vorschulalter - Version III (BUEVA-III; Esser & Wyschkon, 2016), erfasst die Fähigkeit, in semantischen Kategorien zu denken und Regelhaftigkeiten zu erkennen. UT2 bildet die Fähigkeit zur Bildung von Analogien ab und UT3 die zum Erkennen von Regelhaftigkeiten.
Der Test wird im Einzelsetting vorgegeben. Dabei werden die Untertests in fester Reihenfolge präsentiert. Bei den UT1 und UT3 bearbeiten die Kinder zunächst Beispielaufgaben, bevor die eigentliche Testung mit einer, ihrem Alter gemäßen, Aufgabe beginnt. Abbruchregeln steuern die Darbietung der Aufgaben.
 

Auswertungsmodus

Pro Untertest werden die aufsummierten Rohwerte (max. Punktzahl im UT1: 31 Punkte; max. Punktzahl im UT2: 17 Punkte; max. Punktzahl im UT3: 29 Punkte) und altersgemäßen Normwerte in der Auswertungstabelle auf dem Deckblatt des Testheftes notiert. Wurden alle Untertests durchgeführt, kann ein PITVA-Gesamtwert berechnet werden. Dazu werden die T-Werte der drei Untertests aufaddiert. Dieser T-Wert-Summe wird abschließend ein Normwert zugeordnet, der T-Wert PITVA-Gesamt, der über alle Altersgruppen hinweg gültig ist.
 

Auswertungshilfen

Eine detaillierte Beschreibung der Auswertung, insbesondere aber präzise Anweisungen zur Bewertung der Lösungsgüte, unterstützen eine fehlerfreie Auswertung des PITVA.
 

Auswertungszeit

Die Auswertungsdauer wird mit 5 Minuten angegeben.
 

Itembeispiele

Bilderreihen (UT; 31 Bildkarten): Das gesuchte Ziel-Item soll auf der Bildkarte gezeigt werden.
Seriation (UT2; 9 Bildkarten, Steine und Stäbchen): Das Kind hat die Aufgabe, ein Muster gemäß Bildvorlage nachzubauen. Die Vorgabe der Bildvorlagen 3 bis 7 erfolgt zeitlich begrenzt.
Matrizen (UT3; 29 Bildvorlagen): Ergänzen der fehlenden Bildmatrix.
 

Durchführung

 

Testformen

Der Test wird im Einzelsetting vorgegeben. Es liegen keine parallelen Testformen vor.
 

Altersbereiche

Der PITVA wurde für Kinder im Alter von 4;0 Jahren bis einschließlich 6;5 Jahre entwickelt.
 

Durchführungszeit

Die Testdauer wird mit 15 bis 20 Minuten beziffert.
 

Material

Sämtliches Material findet sich in einer Testbox. Im Manual (Wyschkon & Esser, 2019) werden die Messintention des PITVA und die theoretischen Grundlagen beschrieben sowie Informationen zur psychometrischen Güte und Normierung des Verfahrens gegeben. Des Weiteren werden Hinweise zur Durchführung, Auswertung und Interpretation der Leistungsmaße des PITVA aufgeführt. Darüber hinaus ist nur ein Schreibgerät erforderlich. Verbrauchsmaterial (Testhefte) kann separat bezogen werden.

Materialliste Testbox (Stand: 15.05.2019):
- Manual
- 10 Testhefte
- Bildvorlagen in Drahtkammbindung
- Box mit Materialien: Steine und Stäbchen.
 

Instruktion

Alle Aufgaben sind mit schriftlichen Instruktionen versehen, die dem Kind wortgetreu wiederzugeben sind. Die Autoren weisen ausdrücklich auf die Einhaltung der Testinstruktionen hin. Darüber hinaus geben sie allgemeine Hinweise zur Gestaltung der Testsituation. Abbruchkriterien und Lösungsbewertungen werden verdeutlicht.
 

Durchführungsvoraussetzungen

Wyschkon und Esser (2019, S. 36) fordern, "dass der Testleiter über eine fundierte Ausbildung im Hinblick auf die Durchführung psychologischer Testverfahren verfügen muss".
 

Testkonstruktion

Die Testkonstruktion wird im Manual nicht explizit beschrieben. Sie vollzog sich aber auf dem Hintergrund der Klassischen Testtheorie. Besonderheiten bei der Testung von Vorschulkindern, die beim PITVA Berücksichtigung fanden, werden von Wyschkon (2015) erläutert.
Aufgabenschwierigkeiten und Trennschärfen. Für den UT1 berichten Wyschkon und Esser (2019, S. 24 ff.) Schwierigkeitskoeffizienten (p) von .10 < = p < = .98 und Trennschärfekoeffizienten (rit) von .21 < = rit < = .66 für die gesamte Stichprobe (N = 987). Für die Altersgruppen der 5- und 6-Jährigen sind die Trennschärfen von 8 der insgesamt 31 Items rit < = .40. Insbesondere die Items 1 bis 3 fallen durch geringe Koeffizienten auf (.01 < = rit < = .34). Für den UT2 bewegen sich die Itemschwierigkeiten zwischen .20 < = p < = .84 (4-Jährige), .04 < = p < = .94 (5-Jährige) und .45 < = p < = .99 (6-Jährige). Bei UT3 streuen die Schwierigkeiten der Items von .00 < = p < = .99 für die 4-Jährigen bzw. .36 < = p < = .94 für die 5-Jährigen und von .45 < = p < = .99 für die 6-Jährigen. 6 der insgesamt 29 Items von UT3 haben Trennschärfen rit < = .40 für die Gesamtstichprobe (N = 985).
 

Gütekriterien

 

Objektivität

Die Standardisierung des PITVA, detaillierte Hinweise zu seiner Durchführung und zur Bewertung der Rohwerte gewährleisten seine Objektivität in Hinsicht auf Durchführung und Auswertung. Interpretationshilfen sichern die Interpretationsobjektivität des Verfahrens.
 

Reliabilität

Die Messgenauigkeit des PITVA wurde mittels Cronbach Alpha bestimmt (Wyschkon & Esser, 2019, S. 28). Für den UT1 betragen die Koeffizienten, getrennt nach Altersgruppen, .86 < = Alpha < = .91, für den UT2 liegen sie zwischen .71 < = Alpha < = .79 und für den UT3 zwischen .83 < = Alpha < = .88.
 

Validität

Kriteriumsvalidität. Zur Überprüfung der Kriteriumsvalidität wurden bei N = 895 Kindern Zusammenhänge zwischen den Ergebnissen in den PITVA-Untertests und den Leistungen im Motoriktest für 4- bis 8-jährige Kinder (MOVE 4-8; Wyschkon, Jurisch, Bott & Esser, 2018) untersucht. Der MOVE 4-8-Gesamtwert korrelierte mit den PITVA-Untertests zu r(UT1) = .29, r(UT2) = .37 und r(UT3) = .33. Als weitere Validierungskriterien wurden herangezogen der Mosaiktest aus dem HAWIVA-III (Ricken, Fritz, Schuck & Preuß, 2007; erhoben an n = 548 Kindern) und die Coloured Progressive Matrices (CPM; Raven, Raven & Court, 2002; erhoben an n = 548 Kindern). Untertests und Gesamtwert des PITVA korrelierten zwischen .32 < = r < = .45 mit dem alterskorrigierten Rohwert des HAWIVA-III-Mosaiktests. Die Zusammenhänge mit dem alterskorrigierten Rohwert der CPM streuten von .45 < = r < = .62 mit den Werten des PITVA.
Als weitere Validitätskriterien wurden Kompetenzeinschätzungen der Kinder (Auffassungsgabe und Fähigkeit zum Erfassen von Zusammenhängen) durch ihre Eltern (n = 770) und ihre Erzieherinnen und Erzieher (n = 620) eingeholt. Die Zusammenhänge zu den Elternurteilen und den PITVA-Untertests lagen zwischen .19 < = r < = .25, zu den Bewertungen der Erzieherinnen und Erzieher ergaben sich Korrelationen zwischen .22 < = r < = .28.
Konstruktvalidität. Die Testautoren überprüften die Konstruktvalidität des PITVA anhand seiner Skaleninterkorrelationen. Sie liegen zwischen .48 < = r < = .50. Mit dem PITVA-Gesamtwert korrelierten die Untertests zwischen .81 < = r < = .82. Fehlende bis marginale Leistungsunterschiede zwischen Jungen und Mädchen werten Wyschkon und Esser (2019) als einen weiteren Hinweis auf die Konstruktvalidität des Verfahrens. Darüber hinaus resultierten erwartungskonforme Unterschiede in den PITVA-Ergebnissen in Abhängigkeit vom elterlichen beruflichen Qualifikationsniveau und es zeigten sich die erwarteten Korrelationen zwischen den PITVA-Ergebnissen und dem Schulabschluss der Eltern.
 

Normierung

Der PITVA wurde an 478 Mädchen und 509 Jungen im Alter von 4;0 Jahren und 6;5 Jahren aus dem Bundesland Berlin-Brandenburg normiert. Die untersuchten Kinder stammen aus Familien mit signifikant höherem sozioökonomischem Status (Chi-Quadrat(4) = 155.8, p Bestimmung der T-Werte für die Untertests. Für die von Ausreißerwerten bereinigten Rohwerte wurden für jede Altersgruppe Intervallmitten-Prozentränge berechnet (Woerner, Müller & Hasselhorn, 2017), die über standardisierte z-Werte in T-Werte transformiert wurden. Analog erfolgte die Bestimmung des T-Wertes für den Gesamtwert. Für die 4;0- bis 5:11-Jährigen liegen Normen in Vierteljahresstufen mit durchschnittlich n = 110 Kindern pro Altersgruppe vor, die 6;0- bis 6;5-Jährigen (n = 102 Kinder) wurden gemeinsam normiert.
 

Anwendungsmöglichkeiten

Der PITVA ermöglicht eine Diagnostik der nonverbalen Intelligenz (Grundintelligenz) im Alter von 4;0 Jahren bis 6;5 Jahren. Er intendiert, diese Fähigkeiten über den gesamten Leistungsbereich - ausgenommen geistige Behinderungen - differenziert abzubilden. Nach Einschätzung der Testautoren erlaubt der PITVA, das Vorhandensein von überdurchschnittlichen Begabungen abzusichern.
 

Bewertung

Der PITVA will die Grundintelligenz von Kindern im Alter zwischen 4;0 und 6;5 Jahren erfassen. Theoretisch basiert der PITVA auf dem Intelligenzmodell von Cattell und Horn. Neben diesem Modell listen die Autoren weitere Intelligenzmodelle auf (vgl. Wyschkon & Esser, 2019, S. 7-8, Kap. 2), ohne allerdings deren Bedeutung für den PITVA zu explizieren. Hier wünschte man sich eine stringentere Darstellung seiner theoretischen Grundlagen. Zur Konstruktion des PITVA machen die Autoren keine Angaben. Sie ist folglich nicht nachvollziehbar.
Wyschkon und Esser (2019) begründen ihre Entscheidung, der Gruppe nonverbaler Intelligenztests für Kinder im Vorschulalter ein weiteres Verfahren hinzuzufügen, mit teilweise veralteten Normen und/oder zu kleinen Eichstichproben der bestehenden Verfahren. Außerdem möchten sie mit dem PITVA ein Verfahren vorlegen, das die Differenzierungsfähigkeit der vorhandenen übertrifft, da im PITVA "mehr Aufgaben mit adäquaten Schwierigkeiten für den angezielten Altersbereich vorliegen als bei Tests mit sehr weitem Altersgeltungsbereich" (S. 6). Als weitere Ziele der Testentwicklung werden eine angemessene Testzeit und eine hohe Messgenauigkeit genannt. Diese Entwicklungsziele geben die Kriterien zur Bewertung des Verfahrens vor.
Das erste Ziel, ein Mehr an Aufgaben mit angemessenen Schwierigkeiten zu generieren, ist partiell erreicht worden: Mit 31 und 29 Aufgaben sind zumindest UT1 und UT3 umfangreicher als einige Skalen herkömmlicher Verfahren. Dass das damit angestrebte "breite Differenzierungsoptimum" (Wyschkon & Esser, 2019, S. 6) jedoch nicht erreicht wurde, zeigt die nachstehende Bewertung der Differenzierungsfähigkeit des PITVA, welche Schwierigkeit und Trennschärfe der Aufgaben gemeinsam berücksichtigt. Legt man als Mindestmaß für die Differenzierungsfähigkeit einer Aufgabe eine Trennschärfe von rit = .40 zugrunde, ist für 4-Jährige festzustellen, dass die Aufgaben zur Messung der Fähigkeit, in semantischen Kategorien zu denken (UT1) bzw. Regelhaftigkeiten zu erkennen (UT3), das gesamte Leistungsspektrum abdecken [P(UT1): .11 bis .91 entspricht z = -1.23 bis z = 1.34; P(UT3): .11 bis .85 entspricht z = -1.23 bis z = 1.03]. Der PITVA vermag 4-Jährige mit sowohl unterdurchschnittlichen als auch durchschnittlichen als auch überdurchschnittlichen Fähigkeiten in diesen Facetten der Grundintelligenz zuverlässig zu differenzieren. Die Fähigkeit zur Bildung von Analogien (UT2) wird dagegen nur in einem eingeschränkten durchschnittlichen bis überdurchschnittlichen Leistungsausschnitt differenziert erfasst [P(UT2): .25 bis .55 entspricht z = -0.97 bis z = 0.12]. Für 5-Jährige ist festzustellen, dass der PITVA sich zur Differenzierung von Kindern mit durchschnittlichen bis tendenziell unterdurchschnittlich ausgeprägten Fähigkeiten zum semantischen Denken (UT1) und zur Bildung von Analogien (UT2) eignet [P(UT1): .20 bis .81 entspricht z = -0.85 bis z = 0.87; P(UT2): .56 bis .78 entspricht z = 0.16 bis z = 0.77]. Für 5-Jährige mit überdurchschnittlich ausgeprägten Leistungen in diesen kognitiven Fähigkeiten sind die Aufgaben zu leicht. Was die Fähigkeit zum Erkennen von Regelmäßigkeiten (UT3) betrifft, differenziert der PITVA 5-Jährige mit einer tendenziell unter- bis überdurchschnittlichen Fähigkeit zuverlässig [P(UT3): .06 bis .80 entspricht z = -1.56 bis z = 0.84]. Bei 6-Jährigen unterscheidet der PITVA in den Fähigkeitsbereichen Denken in semantischen Kategorien und Bildung von Analogien nur zuverlässig zwischen Kindern mit durchschnittlichen bis (stark) unterdurchschnittlichen Leistungen [P(UT1): .50 bis .99 entspricht z = 0.00 bis z = 2.3; P(UT2): .76 bis .96 entspricht z = 0.70 bis z = 1.75]. Dagegen gelingt die Differenzierung hinsichtlich dem Erkennen von Regelmäßigkeiten besser bei 6-Jährigen mit durchschnittlichem bis überdurchschnittlichem Fähigkeitsniveau [P(UT3): .10 bis .57 entspricht z = -1.28 bis z = 0.18]. Wie diese Überlegungen verdeutlichen, kann allenfalls dem Matrizentest UT3 ein "breites Differenzierungsoptimum" für den infrage stehenden Altersbereich attestiert werden.
Was die Messgenauigkeit des PITVA betrifft, werden für UT1 und UT3 durchweg gute bis sehr gute Reliabilitätskoeffizienten berichtet, die in Anbetracht der hohen Itemanzahl zu erwarten sind. Die Koeffizienten für UT2 sind als akzeptabel zu bewerten (vgl. Lienert & Raatz, 1998). Damit ist das Konstruktionsziel weitgehend erreicht worden.
Für die Validität des Verfahrens werden erste Hinweise berichtet, die insgesamt überzeugen. Hervorzuheben ist die mittlere Korrelation zwischen der Leistung im Matrizentest UT3 und der im CPM. In zukünftigen Studien sollte die Konstruktvalidität des PITVA weiterführend analysiert werden.
Normiert wurde der PITVA an Kindern aus sozioökonomisch besser gestellten Familien. "Das lässt mit Blick auf die Normen erwarten, dass diese etwas strenger ausfallen" (Wyschkon & Esser, 2019, S. 21), sprich für 4;0- bis 6;5-jährige Kinder nicht repräsentativ sind. Damit verbindet sich die Frage nach der Fairness des PITVA. Angesichts der Fülle empirischer Befunde - die Testautoren weisen darauf hin -, wonach Kinder aus sozioökonomisch besser gestellten Familien in standardisierten Leistungstests signifikant besser abschneiden als Kinder aus sozioökonomisch schlechter gestellten Familien (zusammenfassend Peters & Engerrand, 2016) ist davon auszugehen, dass der PITVA Kinder aus armen Familien systematisch benachteiligt. Als ein weiteres Manko der Normen räumen Wyschkon und Esser (2019) eine zu grobe Alterssegmentierung für die 4- und 6-Jährigen ein. Somit wurde das Ziel, einen solide genormten nonverbalen Intelligenztest für 4;0- bis 6;5-Jährigen zu konstruieren, verfehlt.
Abschließend sei darauf hingewiesen, dass der Test verständlich beschrieben und formal ansprechend gestaltet ist. Weiter ist zu den inhaltlichen Ausführungen festzustellen, dass sie auf der Grundlage des BUEVA-III (Esser & Wyschkon, 2016) entstanden sind. Beispielweise wurden die Überlegungen zur Diagnostik und Bedeutung schwacher Intelligenzleistungen oder auch die Erläuterungen zur Repräsentativität der Eichstichprobe fast vollständig und identisch aus diesem Manual übernommen.
Die Monita bilanzierend lässt sich der Mehrwert des PITVA im Vergleich zu bestehenden, empirisch bewährten Verfahren der nonverbalen Intelligenzdiagnostik bezweifeln.
 

Literatur

  • Esser, G. & Wyschkon, A. (2016). BUEVA-III. Basisdiagnostik Umschriebener Entwicklungsstörungen im Vorschulalter - Version III. Göttingen: Hogrefe.
  • Grünke, M. & Grosche, M. (2014). Lernbehinderung. In G. W. Lauth, K. Grünke & J. C. Brunstein (Hrsg.), Interventionen bei Lernstörungen: Förderung, Training und Therapie in der Praxis (2., überarbeitete und erweiterte Auflage, S. 76-89). Göttingen: Hogrefe.
  • Horn, J. L. & Cattell, R. B. (1966). Refinement and test of the theory of fluid and crystallized general intelligences. Journal of Educational Psychology, 57, 253-270.
  • Lienert, G. & Raatz, U. (1998). Testaufbau und Testanalyse (6. Auflage). Weinheim: Beltz.
  • Peters, S. J. & Engerrand, K. G. (2016). Equity and excellence: Proactive efforts in the identification of underrepresented students for gifted and talented services. Gifted Child Quarterly, 60 (3), 159-171.
  • Raven, J. C., Raven, J. & Court, J. H. (2002). Raven's Progressive Matrices und Vocabulary Scales. Coloured Progressive Matrices mit der Parallelform des Tests und der Puzzle-Form. Deutsche Bearbeitung und Normierung Stephan Bulheller und Hartmut Häcker. Frankfurt/M.: Swets.
  • Ricken, G., Fritz, A., Schuck, K.-D. & Preuß, U. (Hrsg.). (2007). HAWIVA-III. Hannover-Wechsler-Intelligenztest für das Vorschulalter - III. Bern: Huber.
  • Schmidt, M. H. (2002). Psychische Störungen infolge von Intelligenzminderungen. In F. Petermann (Hrsg.), Lehrbuch der Klinischen Kinderpsychologie (S. 359-380). Göttingen: Hogrefe.
  • Schuchardt, K. & Mähler, C. (2012). Arbeitsgedächtnisprofile von Kindern unterschiedlicher Begabungsniveaus. Lernen und Lernstörungen, 1 (3), 157-167. -PSYNDEX-Lit Dok.-Nr. 0259659
  • Woerner, W., Müller, C. & Hasselhorn, M. (2017). Bedeutung und Berechnung der Prozentränge und T-Werte beim Erstellen von Testnormen: Anmerkungen und Empfehlungen. In U. Trautwein & M. Hasselhorn (Hrsg.), Begabungen und Talente (Tests und Trends, Band 15; S. 245-267). Göttingen: Hogrefe.
  • Wyschkon, A. (2015). Erfassung und prognostische Bedeutung der nonverbalen Intelligenz im Vorschulalter: Analyse vorliegender Testverfahren und Kurzvorstellung des PIT-VA. In G. Esser, M. Hasselhorn & W. Schneider (Hrsg.), Diagnostik im Vorschulalter (S. 1-17). Göttingen: Hogrefe.
  • Wyschkon, A. & Esser, G. (2019). PITVA. Potsdamer Intelligenztest für das Vorschulalter. Göttingen: Hogrefe.
  • Wyschkon, A., Jurisch, K., Bott, H. & Esser, G. (2018). MOVE 4-8. Motorische Entwicklung im Vor- und Grundschulalter. Ein Motoriktest für 4- bis 8-jährige Kinder. Göttingen: Hogrefe.
 
 Petra Hank (27.02.2020)
 APA-Schlagworte/PSYNDEX Terms:

Classical Test Theory; Pictorial Stimuli; Subtests; Test Norms; Intelligence Measures; Performance Tests; Cognitive Assessment; Nonverbal Ability; Cognitive Ability

Klassische Testtheorie; Bild-Stimuli; Untertests; Testnormen; Intelligenztests; Leistungstests; Kognitive Messung; Nichtsprachliche Fähigkeit; Kognitive Fähigkeiten

 weitere Schlagworte:

2019; Grundintelligenz; ab 4 Jahre; bis 6 Jahre; 69 Bildkarten; Untertests: 1 Bilderreihen, 2 Seriation, 3 Matrizen; Normierungs-/Untersuchungsjahr: 2015; Stichprobe(n): 987
 Klassifikation:

Pädagogische Messung und Beurteilung; Persönlichkeitstests; Persönlichkeitseigenschaften und Persönlichkeitsprozesse; Kognitive Entwicklung und Wahrnehmungsentwicklung
Nonverbale Intelligenztests; Intelligenztests für Kinder
2.5; 2.3
 Anwendungstyp: Individual Diagnosis
 Art der Publikation: Test; Test in Print (90; 911)
 Sprache: German
 Land: Germany
 Publikationsjahr: 2019
 Änderungsdatum: 202003
 info@leibniz-psychology.org | © 1996-2021 ZPID